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- Warum ich das Heimkehr Ritual anbiete
Wer im Dienst für eine Gemeinschaft Opfer bringt und sich dabei einer Gefahr aussetzt ist für mich ein Held. Zu einem Krieger wird er wenn er gegen alle Widerstände im Innen und Außen seinen Weg geht, um andere zu schützen. Das sind meine Definitionen und es gibt viele. Es gab eine Zeit, in der ein Krieger nach dem Einsatz rituell wieder in die Gemeinschaft aufgenommen wurde. Sein Opfer für die Gemeinschaft wurde gesehen und er durchlief rituelle Handlungen, um aus dem Schrecken des Krieges wieder in die Gemeinschaft einzutreten. Es gab rituelle Waschungen, um sich von vergossenem Blut und auch von Handlungen zu befreien, die notwendig waren um zu überleben. Seine Rolle als Beschützer wurde geehrt und seine Wunden im Außen und im Inneren wurden versorgt. Es wurde darauf geachtet dass der Krieger ganz zurückkehren konnte. In der Vorstellung der Gemeinschaft war das System Seele keinesfalls esoterisch. Es war klar, dass der Schrecken des Krieges oder des Einsatzes Teile der Seele abspalten konnten. Es war normal und anerkannt dass der innere Schutz, die Fylgja des Kriegers dabei zurückgelassen werden konnte. Das war ein Schutzmechanismus für den Krieger in diesem Moment, aber fatal für das Leben danach. Also gab es Rituale, in denen diese Anteile des Kriegers zurückkehren konnten. Erst dann war er wieder wirklich heimgekehrt. Heute kämpft der Krieger als Einsatzkraft einen fast aussichtslosen Kampf an mehreren Fronten. Es wird ihm seine Identität als Krieger und als Held aberkannt. Der Sinn seiner Arbeit wird öffentlich infrage gestellt. Kehrt er heim, empfängt ihn Bürokratie, Unverständnis, Arroganz und ein Gesundheitssystem, das zum Großteil damit beschäftigt ist Geld zu generieren. Ein Krieger fällt ganz natürlich durch das Raster der heutigen Gesellschaft. Die moderne Medizin ist fragmentiert. Man durchläuft viele Stellen, die oft nicht sehr gut miteinander kommunizieren. Der Mensch wird eingeteilt in Fachgebiete. Je nach Beschwerde ist ein anderer Facharzt mit einer ganzen Abteilung zuständig. Der Orthopäde kümmert sich nicht um Schlafstörungen. Der Internist nicht um Muskelzucken und der Psychiater ist ratlos warum sein Patient sich ihm nicht öffnet. Als Soldat krank zu sein kann gefährlich sein. Es hängen viele Dinge daran. Karriere, Dienstposten und sein Ruf innerhalb der Einheit. Das ist ein erstzunehmendes Problem. Ich möchte nicht weiter ins Detail gehen. Betroffene Kameraden und deren Familien wissen wovon ich da rede. Ich möchte die Lücke zwischen der Schulmedizin und der Identität des Kriegers schließen. Ich biete an es auf eine alte Weise zu tun. Das ganze Zurückkommen auf eine Art zu begehen, die sich Zeit nimmt. Die den Mut hat hinzuschauen. Eine, die anerkennt. Eine, die auf ganz alte Weise versteht. Mir geht es nicht darum gegen eine Therapieform zu argumentieren. Es ist wichtig mit der Medizin zusammenzuarbeiten. Meine Ausbildungen geben mir dabei ein solides Standing in der Welt der Medizin aber als Schamane muss ich tiefer gehen. Ich biete dieses kraftvolle Ritual als Begleitung an. Ich weiß selbst wie dunkel die Welt werden kann wenn die Seele leidet. Ich stand selbst einmal am Abgrund. Bereit zu springen. Das alte Verständnis über die Zusammenhänge, die Runen mit ihrer Kraft und tiefen Weisheit sowie eine neue Art mich selbst und die Welt zu betrachten haben mich gerettet. Meine Fylgja hat mich gerettet. Zeit, das weiterzugeben.
- Warum oft keine Veränderung passiert
Sobald du dir etwas wünschst steht sie im Raum. Ob du willst oder nicht. Die Veränderung - die Notwendigkeit - die Not-Wende. Wir leben meist in einem Netz aus Gedanken. Gewohnheiten, und Menschen. Das gibt uns Sicherheit und einen Platz im Leben. Vieles aus unserer Identität kommt aus diesem Netz. Es de-finiert uns. Also es gibt uns und unserem Fühlen und Handeln Grenzen vor. Das ist dann sozusagen der Preis für unseren Platz. Doch tief im Inneren haben wir noch Träume und Wünsche, die sich manchmal noch so anfühlen, als ob im Traum eine völlig andere Person als wir sei. In diesem Traum sind wir auch jemand anders. Der, der sich traut so zu leben wie er will. Der, der endlich gesehen, geliebt und erfolgreich ist, weil er endlich tut, was liebt und nicht was er soll. Na? Erkennst du dich? Was, wenn ich dich mitten im Gespräch nach deinen Träumen und Sehnsüchten frage? Was, wenn ich diese Frage ernst meine? Was, wenn ich dann sehe wie deine Augen feucht werden, weil der Körper etwas nicht mehr verstecken will, was schon zu lange in dir verborgen liegt? Nein ich verurteile oder bewerte dich nicht. Ich kenne dieses Gefühl von Angst davor sich zu trauen so zu leben. Ich kenne die Scham beim Versuch aus seinem Schneckenhaus zu kommen aus Angst man könnte verurteilt werden dafür. Ich kenne auch die Schuld, die man fühlt wenn man daran denkt was man dann alles zurücklassen würde. Nun, das ist der Preis. Es ist schwer jahrelange oder jahrzehntelange Netze zu verlassen. Das weiß ich. Aber ich weiß auch, wie endlich das Leben sein kann. Ich weiß auch, dass wir das, was wir haben und auch in uns haben, nicht sehr wertschätzen. Bis wir es verloren haben. Du kannst dich also entscheiden: Willst du den Schmerz haben zu wissen, dass du es nie gewagt hast wirklich du zu sein? Oder : Willst du den Schmerz der Veränderung durchleiden und dann wirklich du sein? Zu großen Veränderungen braucht man oft einen großen Leidensdruck. Auch das weiß ich. Ich habe schon viele Menschen diesen Planeten verlassen sehen. Freiwillig und unfreiwillig. Viele davon habe ich ein Stück begleitet auf meinen Reisen. Meine Erfahrungen decken sich stark mit den Menschen, die auf Palliativstationen Dienst tun oder in einem Hospiz. Kaum werden Dinge bereut, die man getan hat. Wohl aber die, die man nicht getan hat. Die Chancen , die man nicht ergriffen hat. Die Gespräche, die man nicht geführt hat. Den Mut, den man nicht gehabt hat. Das Leben ist eine Reise voller kleinen und großen Entscheidungen. Es beschreibt einen Weg durch Höhen und Tiefen. Am Ende erzählt sie eine Geschichte. Deine Geschichte. Wie soll sie aussehen? Was soll man sich über dich und dein Leben erzählen wenn du gehst und welche Impulse hinterlässt du auf dieser Welt? Trau dich verrückt zu sein in einer Welt, die dich nicht glücklich macht. Trau dich du zu sein anstatt angepasst. Trau dich für deine Träume zu leben anstatt für die Meinungen anderer. Trau dich über den Zaun deiner Realität zu blicken. Du wärst erstaunt was dort zählt. Die Veränderung, die du dir so sehr wünschst, liegt in der Entscheidung, vor der du Angst hast und in der Arbeit , die du nicht tun willst.
- Wie wär’s?
Ich mache nicht immer alles richtig. Ich gehe ungesund über Grenzen, weiß nicht alles und mache am liebsten alles alleine weil ich nicht gerne diskutiere ( und das nicht gerne weil ich oft denke nicht genug zu sein ). Ich erreiche nicht immer alle meine Ziele. Ich muss oft zurückstecken und mich neu sortieren aber ich gebe nicht auf. In letzter Zeit ist mir ein Trend aufgefallen. Nicht nur auf Social Media, sondern auch im echten Leben. Wir sind immer weniger oft ehrlich zu uns selbst und reden andere Leute und deren Ziele klein. Nur weil wir selbst uns etwas nicht zutrauen, halten wir es bei anderen als unmöglich. Wir vergleichen uns zu sehr, vertrauen uns selbst zu wenig und das projizieren wir fleißig und möglichst ungefiltert nach draußen. Gerade im sportlichen Bereich und bei neuen Projekten sehe ich dieses Phänomen. Beides erfordert Mut es zu beginnen. Es gibt jedoch gerade auf Social Media nur noch Erfolgsgeschichten. Die erste Million, der erste Triathlon oder Marathon, und so weiter. Niemand spricht über die Überwindungen, Probleme, Zweifel und Strategien für ein Comeback nach Verletzung oder so etwas. Als ob alles immer gleich klappen würde. Ich weiß ja nicht wie das bei euch läuft aber bei mir ist es keineswegs einfach. Ich weiß warum ich gerne leiden muss und warum ich manchmal ungesund über Grenzen gehen muss um mich zu spüren. Ich weiß, dass ich damit und mit all dem „krassen Scheiss“, den ich so mache, ganz andere Dinge in mir kompensiere. Es ist mir bewusst. Und trotzdem ist es wichtig für mich das zu tun. Ich kämpfe. Ich kämpfe damit ich niemals wieder schreiend am Boden liege und am liebsten Schluss machen würde. Ich kämpfe gegen Dämonen und den Schweinehund und Dinge, die immer wieder mal hochkommen und versuchen mich zu lenken. Ich weiß das weil ich durch meine Spiritualität wieder Zugang und Kommunikation mit mir selbst habe. Ich biete sehr viele Angriffsflächen und gehe sehr offen mit meinem Inneren um. Ich habe keine Angst mehr von der Meinung anderer. Ich habe gelernt, dass nur ich mich selbst aufbauen oder zerstören kann. Ich bin sicher viele von euch kennen Teile davon gut. Wir kennen uns eigentlich ganz gut. Nur sehen wir eben unangenehme Sachen lieber in anderen als in uns selbst, oder? Die Projektion hat den Vorteil der Distanz und wir können gut über andere reden aber wenn es dann um uns geht wird es schnell still. Denn wir vergleichen. Ist ja nicht so als ob keiner Probleme hätte aber es ist eben besser der andere hat sie und ich passe weiter so gut in die Gesellschaft, damit ich nicht auffalle. Denn wer auffällt, muss Meinung haben, Kante zeigen und sowas. Ja ich weiß, provokant geschrieben. Aber so rede ich gerne mit mir selbst. Ich habe eine Theorie:-) vielleicht sind wir ja nur so zu anderen weil wir so zu uns selbst sind? Wie wäre es wenn wir mal darauf achten würden wie wir mit uns selbst reden? Wie wir uns selbst sehen? Was wir an uns mögen und was wir an uns nicht mögen? Wie wäre es wenn wir mal wieder bei uns selbst anfangen? Selbstoptimierung ist doch voll im Trend oder? Wie wäre es wenn wir an Chancen glauben würden anstatt nur Probleme zu wälzen? Wie wäre es wenn wir an uns selbst glauben würden und im Bewusstsein wie schwer das manchmal sein kann dann andere anfeuern wenn sie sich trauen aus sich herauszukommen? Wie wäre es wenn wir mal ein nettes Wort für uns übrig hätten? Härte ist gut aber man kann eben nicht nur hart sein. Yin und Yang. ☯️ Wie wär’s? Denk mal drüber nach.
- …auf der anderen Seite der Angst…
Heute teile ich etwas mit dir wofür ich mich vor ein paar Monaten noch geschämt hätte es zu erzählen. Ich möchte dir damit zeigen, dass der Weg aus einem Loch zwar nicht schön ist aber Stillstand doch das Schlimmere ist. Manchmal läuft man leer. Vieles fühlt sich plötzlich leer und sinnlos an. Man kann sich nicht mehr wirklich freuen und die Gefühle werden irgendwie taub. Man funktioniert, lächelt, hat sogar Spaß irgendwie aber hinter der Fassade ist es leer. Dieser Zustand ist nicht nur nicht schön sondern auch gefährlich. Es passiert schleichend. Doch dann ist da dieser Traum. Ich weiß noch genau wie es war. Ich war nach der Arbeit auf dem Weg zum Auto. Dort angekommen bekam ich eine Nachricht von einem Freund, mit dem ich Jahre keinen Kontakt mehr hatte. Er erzählte mir von einer Möglichkeit. Das wäre doch was für mich. Ich fühlte mich bis dahin leer. Doch dann war da diese Möglichkeit. Noch bevor der Zweifel einsetzen konnte rief ich in dieser Kaserne an. Ich fuhr ein paar Tage später über 900km einfach dorthin um mich vorzustellen. Die Fahrt war auch eine Reise durch mein Leben. Ich hatte viel Zeit nachzudenken. Ich fuhr durch die Nacht. Mal fuhr mein Mut, mal hatte ich einfach nichts mehr zu verlieren. Ich hatte Angst, dass jemand bemerkt wie kaputt ich eigentlich bin. Ich war gerade dabei mich aufzubauen. Körperlich und auch emotional und spirituell. Aber trotzdem war ich nicht sicher ob man mich denn so annehmen würde. Ich kam dort an und ließ einfach alle Mauern fallen. Ich war gnadenlos ehrlich und hatte keine Ahnung wie das ankommen würde. Ich blickte in Gesichter, die mich dafür keinesfalls abwerteten. Die ließen mich spüren, dass ich richtig bin. Seither ist viel passiert. Unglaubliche Dinge. Ich bin noch mehr der geworden, der ich sein soll. Der ich auch sein will. Ich verdanke dieser Angst die tiefsten Einsichten und die größten Errungenschaften in meinem Leben. Die Angst ist ein ausgezeichneter Lehrer. Aber sein Unterricht ist nicht beliebt. Wenn ich mich heute anschaue sehe ich einen Menschen, zu dem ich damals auf der Fahrt aufgeschaut hätte. Ja, ich bin heute stolz auf mich. Und die Götter wissen, dass das nicht immer so war. Sie hatten alle recht. Alle die in ihren Podcasts und Videos. Erst muss sich die Energie ändern. Dein Bild von dir. Dann erst kann sich etwas im Außen ändern. Nur muss man es erfahren. Man kann es sich Tausende Male anschauen oder anhören und trotzdem passiert nichts. Ich weiß das denn ich habe das genauso gemacht. Doch wenn du dranbleibst und Dinge tust, die das Neue innere Bild eben ausmacht… und das jeden Tag… dann ändert sich etwas in deiner Energiesignatur. Unmerklich verändert sich wie du denkst. Es ändert sich was zurückhallt aus dem großen Ganzen. Nenn es wie du willst. Denk darüber was du willst. Es existiert. Zweifel gehen…langsam aber sie gehen. Das Bild von dir wird klarer. Stolz kehrt zurück und Kraft. Man sieht es. Du kommst deinem Bild näher und plötzlich ist es egal was andere denken. Du bist echt und das macht dich aus. Du versteckst dich nicht mehr. Plötzlich lebst du deine Vision. Schon irre was ein Gespräch mit Männern ausmachen kann. Was ein Schubs in die wirklich richtige Richtung bewirken kann. Die Angst ist jetzt ein Zeichen für mich mich zu zeigen. Zu beweisen wer ich bin. Nicht für andere. Für mich. Heute nenne ich mich Truppenschamane. Ich habe mir eine Vision gezeigt von meiner Fylgja als Tattoo stechen lassen. Ich spreche und vertraue den Geistern. Heute trage ich alle 24 Runen verdeckt auf dem Oberkörper, die Worte „shaman“ und „warrior“ sichtbar auf den Oberarmen und zwei Sätze auf der Innenseite der Oberarme, die mich sehr geprägt und mir sehr geholfen haben. Sie stammen von Chad Wright, einem Navy Seal, der in einem Podcast über den Codex sprach, nach dem er lebt. Ein Teil daraus hat mich sofort gepackt: „I will never quit….I will be the one that is physically harder and mentally stronger than anything that comes against me….and I will work to maintain that position. You won‘t beat me.“ Immer wenn ich Zweifel hatte und mich nicht gut genug gefühlt habe hab ich mir dieses Video angeschaut. Sehr sehr sehr oft. Also steht da jetzt auf mir: „physically harder“ und auf dem anderen Arm „mentally stronger“. Nicht mehr weil ich es hören muss sondern weil es aus mir herauskommt. Ich bin aus einem gefährlichen, tiefen Loch herausgekommen. Mit nichts in der Hand. Nun ist es an mir anderen herauszuhelfen. Ich kenne meinen Weg. Niemand kann mich davon abbringen, den Weg oder gar mich kleinreden. Ich weiß was ich weiß. Ich konzentriere mich auf meine eigene Reise. Ich vergleiche mich nicht und es ist mir sehr egal, ob andere meine Art und Weise gut finden oder nicht. Meine Kraft und meine Aufmerksamkeit gehören mir. Hab keine Angst davor Angst zu haben. Dreh dich nicht weg wenn du sie spürst. Sie zeigt dir wozu du fähig bist.
- Das Leid mit dem Leiden
Wir leben schon in einer komischen Zeit. Das Internet und Social Media sagen mir wie toll mein Leben denn sein könnte wenn ich denn noch das und dies tun, kaufen oder mitmachen würde. Es scheint als wären fast alle glücklich, reich und top in Form. Man vergisst manchmal dass diese ganze mediale Welt einmal etwas anderes war. Damals saßen die Menschen am Feuer und erzählten Geschichten. Der eigene Geist formte daraus Bilder. Der Geist ging auf Reise. Heute wird alles bereits fertig serviert und man hält es irgendwann für die Wahrheit. Ich sehe den Großteil der Gesellschaft leiden. Der eine mehr, der andere weniger. Man versucht immer mehr Geld zu bekommen obwohl man weiß, dass dies keine Lösung auf Dauer ist. Man vergleicht sich mit den Bildern aus dem Netz. Junge Leute oder jung gebliebene Menschen sehen blendend aus und haben alles erreicht. Wirklich? In Wahrheit spielen viel zu viele Menschen jeden Tag ein Theaterstück. Maske auf, Bühne frei und dann fallen sie leer und ausgelaugt in ihr eigentliches Ich zurück. Hauptsache alle glauben die Illusion. Vor allem sie selbst. Und der Nachbar. Wir vergessen, dass alles nur geliehen ist. Die Zeit, die Gesundheit, der Körper. Wir denken wir hätten ewig Zeit. Wir schieben unsere Träume und auch das Leben, das wir eigentlich leben wollen immer weiter auf die lange Bank. Aber diese Bank endet irgendwann. Es kann morgen vorbei sein oder zumindest enden. Eine Diagnose, ein Unfall, ein Trauma. Zack und das Theater wird still. Und mit Stille können nicht viele Menschen gut umgehen. Die Masken fallen und man sucht dann im Smalltalk vergeblich nach Tiefe. Wozu bist du hier? Was wirst du hinterlassen wenn deine Fylgja kommt um dich an einen anderen Ort zu bringen? Leid hat oft keine Konsequenz. Wenige verstehen den Dialog dabei. Wir machen eben immer so weiter. Wir jammern, wir klagen an aber wir ändern nichts. Können wir ja nicht. Wir müssten ja bei uns anfangen. Wir müssten hinsehen. Wir müssten akzeptieren, verändern oder verlassen. Besser andere haben Schuld. Als Opfer läuft es für viele Menschen einfach besser. Sie warten auf Veränderung und wären schon lange dran. Gesundheit wird an Leistungsfähigkeit gemessen. Oder an Arbeitsfähigkeit. Der Mensch dahinter wird zwar immer gläserner aber verschwindet eben auch immer mehr. Im Hintergrund neben all dem Profit, Leitlinien und Abrechnungspauschalen kann man ihn noch schemenhaft erkennen. Aber auch das ist nicht das Problem. Wir haben verlernt zu leben. Wir funktionieren. Kleine Dinge sehen wir gar nicht mehr. Freude braucht schon einen guten Auslöser. Wir sehen oft nur noch den Mangel. Das, was wir nicht haben. Den Vergleich mit anderen und das macht uns fertig. Langsam. Es ist nicht einfach aus diesem Loch wieder herauszukommen. Es erfordert Mut, Entschlossenheit und Vertrauen in den Weg. Wir alle kennen Techniken, Methoden und Wege. Wir wissen eigentlich genau was wir tun müssten. Und genau das ist das Leid mit dem Leiden.
- 46
Ein paar Tage noch dann jährt sich meine Geburt zum 46. Male. Wie jedes Jahr um diese Zeit blicke ich zurück. Schaue was so passiert ist und wie ich damit umgegangen bin. Die letzten Jahre waren sicher geprägt durch meine Trennung. Ich bin damit vor allem anfangs nicht gerade gut oder sagen wir gesund umgegangen. Rückblickend konnte ich gar nicht anders aber trotzdem war es eine dunkle Zeit. Dunkle Gedanken. Jede Menge Selbstzweifel und Selbstzerstörung. Bis zum Ende. Eines Abends schlug ich hart auf dem endgültigen Boden auf. Das war allerdings keineswegs das Ende. Es war ein Anfang. DER Anfang. Heute blicke ich den Spiegel und ich mag den Kerl, den ich da sehe. Das ist sehr lange her, dass das so war. Das verdanke ich Menschen gleichermaßen wie Geistern. Meine Fylgja hat mich wieder tief verwurzelt und verbunden. Menschen kamen in mein Leben oder ich in deren. Es kam alles wie es sollte. Die Richtung war klar und das Ziel sehr hoch. So soll es sein. Ich hab die Hosen voll wenn ich daran denke was ich noch alles tun will. Und ich werde es tun. Gerade deshalb. Ich bin ein völlig neuer Mensch geworden und ich war nie gleichzeitig so zufrieden und hungrig zugleich. Es fühlt sich gut an wenn ich an die Zukunft denke und die Vergangenheit holt mich nur noch selten ein. Ich bin stark geworden und ich nutze mein Wissen um mir selbst den Weg zu bereiten. Trotzdem geht immer wieder genug schief und es stellt mich immer wieder auf die Probe. Glaube ich genug an mich? Kann ich das alles schaffen? Das sind die Momente, die mich zurückwerfen. Zurück auf den Boden. Als ich nur wusste, dass ich durch diesen Schmerz gehen muss. Nochmal und nochmal. Dabei habe ich viel gelernt über die Tragfähigkeit meines Wissens über mich und über meine Energie. Den Glauben an sich selbst muss man sich erarbeiten. Respekt muss man sich verdienen. Energie folgt der Aufmerksamkeit und Disziplin muss sehr sehr oft die Motivation ersetzen. Heute bin ich froh all diese Erfahrungen gemacht zu haben. Ich kenne mich jetzt viel besser und habe keine Angst mehr vor meinem Keller. Ich habe wieder echten Spaß am Leben und entscheide mich jeden Tag neu bewusst für meinen Weg. 46… wenn ich überlege was ich damals so mit 25 oder 30 dachte wie mein Leben wohl mit 46 aussehen würde….hahahaha naja ich hab es mal wieder krass übertrieben… diesmal allerdings positiv. Meine Tochter hat einen Vater wie ich ihn gerne gehabt hätte und wie mein Vater gerne gewesen wäre, wenn er aus seiner Haut gekonnt hätte. Ich werde etwas zu erzählen haben wenn ich gehe und es wird etwas von mir bleiben und genug Geschichten wird es geben, die auch den Codex wiedergeben, nach dem ich heute zu leben versuche. 46… ich bin bereit! Ich bin verrückt genug an mich und meinen Weg zu glauben und hart genug das auch durchzuziehen. In diesem Sinne : hold my beer;-)
- Visionen, ver-rückt sein und das Miteinander
Ich persönlich kenne niemanden, dem es von Anfang an leicht gefallen ist zu glauben, was man sieht oder hört oder fühlt. Ich habe auf meiner Reise viele Leute kennengelernt. Schamanen, Heiler, Meister der Kampfkünste, QiGong Meister, Taiji Chuan Meister, Yogis, Reiki Meister, Theta Healing Meister…. Die Liste ist ewig lang und die Namen und Titel auch. Über Namen und Titel ließe sich ewig diskutieren aber eines ist klar. Manchmal ist es für die Psyche des einzelnen nötig etwas genau zu benennen, um in dessen Kraft zu steigen und aus dem Alltagsbewusstsein auszusteigen. Viele dieser Menschen sind heute ( wir sind alle älter und ein ganz klein wenig weiser geworden ) ganz anders als früher. Namen und Titel sind nicht mehr annähernd so wichtig wie früher. Man kann über sich selbst und andere lachen. Kaum jemand stellt sich noch über jemand anderen. Wenn ich heute im Netz einen Ausflug mache erkenne ich uns alle selbst wieder. Es ist eben ein Prozess und man kommt eben auch nie an. Viele, die gerade entdecken was in ihnen schlummert, haben die selben Probleme wie wir früher. Man fühlt etwas, sieht etwas oder hört etwas und schon zerdenkt man es. „Das kann doch nicht sein… das bilde ich mir ein… Ich kann das doch nicht… das ist nur Wunschdenken…“ Was ich vermisse in der Szene ist ein gesundes Miteinander. Die Alten helfen den Neuen und akzeptieren auch einen gewissen Wandel. Es ist eben nicht einfach das Feuer weiterzugeben. War es nie. Wenn man aber mehr junge Leute darin bestärken würde ver- rückt sein zu dürfen… wie sähe die Szene dann wohl aus? Werte müssen bewahrt werden und wir alle müssen aufstehen für das, was richtig ist. Visionen zu glauben ist ein großer Schritt. Das dann in den Alltag zu bringen und zu leben erfordert viel Mut. Viele verstecken sich. Verkleiden sich, um zu wirken. Alles legitim aber vielleicht und nur vielleicht könnten wir alle ein wenig zusammenhalten. Wir haben die Verantwortung von den alten übernommen. Viele von uns stehen jetzt selbst an den Türen und an den Toren. Stehen an den Grenzen und wachen über das, was uns anvertraut wird. Von der anderen Seite. Von der Erde selbst und ihren Geistern. Wie Ver-rückt traust du dich zu sein? Wieviel Magie trägst du in diese Welt ohne dich dafür zu schämen, weil es eben nicht normal und die Norm ist? Wie stark bist du? Wie stark ist dein Geist? Und was sind deine Titel wert wenn du nicht hilfst die Welt zu verändern? Viele Grüße in die Welt. Der Truppenschamane
- Kein Ponyhof
Heute nehme ich euch mit in eine meiner dunklen Ecken. Ich möchte euch zeigen, dass zumindest meine Spiritualität nicht immer schön ist. Nicht immer nur schöne Farben, ein Fortschritt und Upgrade. Die meiste Zeit ist es bei mir ein Aufräumen. Meine Kindheit war nicht immer leicht. Ich hatte oft Angst und erlebte ziemlich viel Gewalt. Ganz lange Zeit dachte ich ich hätte es auch verdient. Ich war ja schließlich auch eine Last. Ich war selten lieb und hab es meinen Eltern sehr schwer gemacht mich zu mögen. Ich eckte meistens an. Egal wo. Dörfliche Autoritäten hatten meist keine guten Worte für mich übrig und zuhause bekam ich dann die Rechnung. Diesen Jungen von damals lässt mich meine Fylgja regelmäßig besuchen. Ich muss mir Situationen ansehen und die Gefühle dabei aushalten. Ich weiß sehr wohl warum ich heute bin wie ich bin. Warum ich mich oft quälen muss. Aber es wird besser. Jedesmal. Gestern besuchte ich mich unter meinem Bett. Ich lag da weil ich mich verstecken wollte. Ich wusste wenn Papa heimkommt bekomm ich Schläge. Ich lag da zitternd vor Angst und laut schreiend. Es dauerte nicht lange dann wurde ich herausgezogen. Ich hatte keine Chance. Dann ging es los. Es tat schon gar nicht mehr so weh. Es war die Situation und die Ohnmacht, die mich auch heute immer wieder erreicht. Dann war es still. Ich wurde alleine gelassen. Ich fühlte wieder nichts. Ich war nicht willkommen. Nicht geliebt. Nicht verstanden. Ich war wütend, traurig, verletzt und wild entschlossen mich zu rächen. An allem. Zurückblickend ist es ein Wunder, dass ich nicht noch mehr Blödsinn gemacht habe und heute hier bin. Ich arbeite das alles auf so gut ich kann. Nicht für mich. Ich muss es tun weil meine Tochter niemals in die Hände dieser Situationen kommen darf solange ich atme. Fylgja ließ mich diese Situation ein paarmal sehen. Hintereinander. Dann war da ein Spiegel. Sie sagte: „Sieh hinein. Du bist das nicht mehr. Schon lange nicht mehr. Es sollte gar keine Macht mehr über dich haben. Du bist stark. Wehre dich.“ Doch anstatt allen Frust rauszulassen habe ich nur seinem Arm gepackt, ihn auf den Boden geworfen und ihn angesehen. Lange. Was ich sah war schlimm. Ich sah seine Ohnmacht. Seine Überforderung. Seine Scham. Und das, was man ihm früher angetan hatte. Er kannte es nicht anders. Er gab dieses Gift an mich weiter. Ich ließ ihn los. Ging zu mir und nahm mich in den Arm. Ich sagte zu mir es endet mit mir. Das verspreche ich. Mein kleines Ich sah mich verdutzt an aber nickte. Fylgja zog mich in die Schatten. Ich brauchte einen Moment um mich wieder zu regulieren. „Aus der Vergangenheit lernen und die Zukunft erschaffen“ sagte sie. Dann schlug sie die Trommel und ich war wieder hier. Wer mich kennt weiß jetzt warum ich diesen Weg gehen muss, den ich jetzt gehe. Viele haben weitaus Schlimmeres erlebt als ich. Aber ich kenne mich aus mit Ohnmacht und Kontrollverlust. Mit Zweifeln und mit dem Abgrund. Ich wurde zu einem Truppenschamanen. Das sicher nicht ohne Grund. Ich bin bereit für diese Aufgabe.
- Mannaz ᛗ - wie viel Mensch bist du noch?
Auf einer meiner letzten Reisen über den Zaun zeigte mir meine Fylgja einen Menschen im Sinne der Energie Mannaz. Wider meiner Erwartungen war es kein vollkommener Mensch. Keine Lichtgestalt ohne Fehler oder gar gottgleich. Er war zutiefst Mensch. Stark und schwach, gut und doch zum Schlechten fähig. Er war sich allerdings gewahr. Er wusste, wozu ein Mensch fähig war. Er kannte die Kraft seiner Gedanken und Emotionen. Er kannte die Polarität dieser Welt. Er wusste sich zu entscheiden und war stark genug sich selbst zu sehen und zu ertragen. Er war Teil der Natur, die ihn umgibt und die er ist. Er war Teil beider Seiten des Zaunes und war sowohl Krieger als auch Gärtner. Ich war sehr beeindruckt von dem was ich da sah und von der Art zu leben wie so ein Mensch in der Lage war. Echte Kommunikation, Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit und Vertrauen in sich und in den Kern aller anderen. Wieder zurück in dieser Welt schaute ich mit diesen Augen in den Spiegel. Wie viel Mensch ist denn von dir übrig? Denn wir sind alle dazu in der Lage, Mensch im Sinne Mannaz zu sein. ᛗ
- Mini Retreat
Manchmal nagt der Alltag mehr an einem, als auf Dauer zu ertragen ist. Das Fell wird dünn, man merkt wie man flüchten will, man ist nicht mehr wirklich präsent. Das passiert und ist völlig ok. Aber wie gehe ich damit um? Soo viele Urlaubstage oder Überstunden kann man ja gar nicht haben wie man bräuchte. Bei mir sind es die Kleinigkeiten, die ich vernachlässige. Die kleinen Auszeiten. Das gute Gespräch mit mir selbst. Der Gang zum Strand. Das gute und wertvolle Essen. Das Trommeln für mich. Die Eigenbehandlung. Die Körperreise. Das Visualisieren. Das Träumen. Ich brauch keine drei Tage Kloster oder ein teures Retreat. Was ich brauche ist bei mir zu bleiben. Und zurückzukehren wenn es mal wieder nicht klappt. Auf mich zu achten fällt mir persönlich nicht gerade leicht. Aber ich habe einen Trick für mich entwickelt. Ich habe einen Termin für mich und mit mir gemacht. Ich schaue mir dabei als Therapeut mein Leben an. Und dann sage ich brutal und ehrlich was ich sehe. Und dann zerstöre ich auch noch die Ausreden und Entschuldigungen, die dann kommen. Denn eins ist klar! Wenn ich nicht auf mich achte, wird es niemand tun. Und ich kann nur jemandem helfen, wenn ich selbst nicht am Stock gehe. All die Techniken und Methoden sind auch für mich da. Auch werden sie feiner je mehr ich mich selbst damit beschäftige. Die Zeit sollte man sich wirklich regelmäßig nehmen. Heute war es wieder so weit. Nach sehr anstrengenden Tagen merkt man erst so richtig wie nötig es war wenn man zur Ruhe kommt. Ein therapeutisches Gespräch später war ich bereit für was Schönes. Bereit es anzunehmen weil ich es verdient habe. Gutes Essen, Ruhe und dann Techniken nur für mich. Trommeln, Fylgja und Energiearbeit mit dem Körper. Jetzt merke ich wie die Energie wieder in Bewegung ist. Ich verbinde mich wieder bewusst. Das war bitternötig. Wann hattest du deine letzten Termin mit dir selbst?
- Kapitel abschließen
Viele wollen ein „neues“ Leben. Krempeln alles um, beginnen Neues und kehren doch sehr schnell in das Gewohnte zurück. Ich persönlich freue mich ja darüber, dass immer mehr Menschen beginnen über ihr Leben nachzudenken und auch etwas ändern wollen. Allerdings sehe ich da auch immer wieder das selbe Problem. Menschen neigen dazu, ihren Leben immer etwas hinzuzufügen. Immer mehr. Sie brauchen Ruhe und Erholung? Also machen sie zusätzlich zum Alltag noch einen Termin abends zum Entspannen. Bald darauf merken sie aber, dass sie keine Zeit mehr haben. Es einfach zu viel ist. Es fällt uns schwer etwas oder auch jemanden gehen zu lassen. Etwas wegzulassen. Obwohl wir genau wissen, dass es notwendig ist, halten wir dennoch daran fest. Wenn uns Situationen oder auch Menschen nicht mehr gut tun oder einfach nicht mehr auf dem selben Weg sind, wäre es das Einfachste sie in Frieden gehen zu lassen. Oder? Oft wird aber noch festgehalten. Man kann keine zwei Wege gleichzeitig gehen und nur weil man sich an ein Leiden gewöhnt hat, ist es doch immer noch Leid. Wir haben Angst etwas zu verlieren. Etwas, das in uns ist. Das Gefühl, das scheinbar etwas oder jemand in uns erzeugt hat. Fakt ist aber, dass nichts im Außen diese Macht hat. Wir gehen vielmehr in Resonanz mit etwas. Mit jemandem. Das erzeugt, also wir erzeugen dann die Gefühle. Aber wir indentifizieren uns damit und verknüpfen den äußeren Reiz mit dem inneren Zustand. Sehr problematisch auf Dauer. Wir werden süchtig nach etwas, von dem wir überzeugt sind, dass es durch etwas oder jemandem in uns erzeugt wird. Immer. Unter jeden Umständen. Doch dann klappt es irgendwann nicht mehr. Unsere Erwartungen werden enttäuscht. Leid beginnt. Energie ist nämlich in Bewegung. Wir alle und alles um uns sind in Bewegung. Man kann niemals in den selben Fluss steigen heißt es so schön. Sicherheit entsteht nicht daraus, dass man nichts mehr ändert und sich nichts mehr ändert. Fragt mal jemanden, der scheinbar alles hat. Traut euch! Es entstehen interessante Gespräche!!! Sicherheit, Zufriedenheit und Glück sind etwas in dir! Sie entstehen aus deinem inneren Bild von dir. Du kannst immer warten, dass jemand kommt, der genau das oder dies tun wird und dich mitnimmt.. ODER Du läufst selber los. Neubeginn und Fortschritt sind eine Bewegung. Das bedeutet, dass du alte Wege verlassen musst. Wege zu denken, zu fühlen und zu handeln. Und JA! Es werden auch immer mehr Menschen gehen. Manche laut, manche leise. Das gehört dazu und wenn du dazu nicht bereit bist, erwarte keinen Fortschritt. Vertraue mehr auf dein Gefühl. Wenn sich eine Verbindung nicht mehr gut anfühlt dann hab keine Angst und keine Scheu einfach zu gehen. Du musst dich nicht erklären. Auch nicht wenn alle dir das einzureden versuchen. Und ein Nein ist ein ganzer Satz. Ich tu mich auch oft noch sehr schwer mit Abschieden und loslassen. Aber ich werde immer besser und bin stolz auf mich wenn ich mich mal wieder für mich entschieden habe anstatt mich immer für das Wohl anderer verantwortlich zu fühlen. Manche Kapitel sind einfach zu Ende. Zeit, andere zu schreiben. Los geht’s.
- hinter den Kulissen
Manchmal fahre ich in die Stadt und setze mich auf eine Bank. Ich sehe viele Menschen, viele Gesichter und viele Geschichten. Die meisten sind in einem Tunnel. Sie nehmen ihre Umwelt kaum noch wahr und es scheint auch gewollt zu sein. Desinteresse als Schutz wovor auch immer. Blick aufs Smartphone, Kippe und/oder Energydrink in der Hand und Kopfhörer auf. Andere schleichen durch die Stadt. Trauen sich kaum andere Menschen anzusehen und schauen sofort erschrocken weg sobald sich Blicke treffen. Andere wirken eher wie Schauspieler. Die Straße als Catwalk und die Gesellschaft als Zuschauer. Alles perfekt. Alles stets unter Kontrolle. Eine komische Szenerie in einem gefakedten Lebensraum. Dann gehe ich auf den Zaun und sehe mir das Schauspiel erneut an. Die Fylgja schlägt die Trommel und die Masken bröckeln augenblicklich. Wir sehen Menschen, die in ihren unbewussten Gedanken und Emotionen gefangen sind. Getrieben werden von Angst nicht zu genügen, nicht perfekt genug zu sein, nicht so gut wie der Nachbar… sie blicken durch eine Brille in die Welt, die nicht real ist. Wir sehen Menschen, die sich verstecken, die allem und jedem aus dem Weg gehen. Wir sehen Leid in den Augen und in den Herzen. Wir sehen Sehnsucht nach Verbindung. Nach Heilung. Wir sehen verletzte Menschen, wir sehen die Narben, die nicht gesehen werden wollen. Wir sehen Verdrängung und Missgunst. Doch ab und zu blitzt etwas auf. Menschen mit Verbindung. Klarer Blick, fester Schritt, aufrechte Haltung. Echtes Lächeln, offene Augen. Auch sie tragen Geheimnisse und Masken… allerdings bewusst. Wir sehen, dass zu viele Menschen nicht mehr in Kontakt mit sich selbst sind. Nicht mehr hinsehen, verdrängen und überspielen. Das ist auf Dauer nicht gerade gesund. Symptome lassen oft nicht lange auf sich warten. Bleib öfter mal stehen und sieh dich an. Sieh wirklich hin. Fühle! Auch mal länger als ein paar Sekunden wie sonst. Manche Dinge brauchen etwas Zeit um an die Oberfläche des Geistes zu kommen. Zu tief haben wir sie vergraben. Ich denke oft, dass wir auch deshalb, weil wir uns selbst nicht mehr gut kennen sehr viel an sozialer Kompetenz und echtem Mitgefühl verloren haben. Wir können beim besten Willen nicht mehr wirklich kommunizieren. Finde zurück zu dir. Finde zurück in deine Kraft und sieh nicht in jedem Gegenüber einen Feind. Das wahre Leben findet hinter den Kulissen statt.











