Vielleicht erkennst du dich?

Puh…. Es fällt mir nicht leicht das zu schreiben aber ich denke es ist nötig.
Ich sage ja immer man könne sich völlig neu erfinden und zu etwas werden was man nie gedacht hat sein zu können… und das stimmt auch.
Viele von euch kennen meine Geschichte ja schon und ich schreibe ja auch immer wieder davon weil ich denke, dass ich mit meiner Geschichte keineswegs alleine bin und es evtl jemandem hilft zu lesen, was ich daraus gemacht habe und gelernt habe.
Man muss sehr wachsam sein, was man wird oder in welche Richtung man sich entwickelt. Ich kenne sehr viele Menschen, die eine Version geworden sind, die sehr gut darin ist zu überleben. Eine, die super einstecken kann und hart ist. Widerstandsfähig und zäh. Ich kenne das auch. Aber was man dabei bedenken sollte ist, dass man ja noch immer Mensch ist. Ich denke da an die berühmte Bedürfnispyramide. Wenn dein Wert darüber definiert wird, wieviel du ertragen kannst dann wird es auf Dauer schwierig für dich. Regeneration, Heilung auf tiefer Ebene aber auch soziale Kontakte und Beziehungen werden schwierig. Nicht, weil du schwierig bist! Sondern weil dein Wertesystem dich nur einen guten Menschen sein lässt, wenn du am kämpfen bist, um zu überleben. Du musst es dir verdienen und du musst dir ständig beweisen, dass du es wert bist und on Track bist.
Ich sehe jetzt schon einige Kameraden grinsen. Ja, Jungs, das kennen wir.
Leider werden wir älter. Es geht darum auch im Alter noch gesund zu sein. Es geht darum, sich nicht sinnlos kaputt zu machen. Ja, ich quäle mich immer noch. Ja, ich weiß auch warum. Teils bestrafe ich mich dafür, meine Ehe gegen die Wand gefahren zu haben und andererseits muss ich mir ständig beweisen, dass mich nichts mehr so sehr auf den Boden drücken kann wie meine große Krise vor ein paar Jahren. Sicher, das ist nicht gesund und gerade ich sollte es besser wissen - aber auch ich bin nur ein Mensch. Ich kann sehr oft aus meiner Haut und dann sehe ich sehr klar. Aber oft wird es wieder dunkel um mich herum und dann kommen die Dinge wieder zurück. Dinge, die ich glaubte längst verarbeitet zu haben. Tja, Fucker, Pech gehabt. Manche erleben mich als latent aggressiv mit kurzer Zündschnur… manche ganz anders - als ruhig, ausgeglichen und so eine Art Schamane. Ich denke ich bin beides.
Ich bin keineswegs immun gegen den Dauerstress, das ständige erreichbar sein und auch nicht gegen die Mühlen des Alltags. Nichts ist schlimmer für mich als der Alltag. Etwas, das ständig das Gleiche ist.
Kein Wunder, dass ich alleine bin, was? Ja, sehe ich auch so.
Ich bin stolz darauf, was und wer aus mir geworden ist und ich bin auch stolz darauf, das alles geschafft zu haben und jetzt zufrieden in den Spiegel schauen zu können aber ich weiß auch, dass das gefährlich sein kann. Ich achte oft viel zu wenig auf mich. Gönne mir keine Ruhe und Erholung und fühle mich schlecht, wenn ich Sport ausfallen lasse. Ich schreibe schlaue Sachen und befolge sie oft selbst nicht.
Achte darauf, wohin du gehst. Bedenke, dass alles einen Preis hat. Härte, Disziplin, und Stärke haben zwei Seiten. Ja! Sei hart zu dir und hole auch das Beste aus dir raus aber höre auch auf dich und verliere dich nicht im Ego. Sei Krieger und Schamane. Beides. Und erkenne wann du wer von beiden bist.
Momentan läuft es gut und ich kann mehr von den Werkzeugen in mir und auf meiner Haut nutzen. Viele wären froh, so viele Werkzeuge zu haben um auf sich zu achten aber oft überrollt es mich einfach immer nur alleine zu leben während ich ein Familienleben vermisse. Das macht mehr mit mir, als ich zugeben will.
So jetzt ist es wieder Zeit für die Liegestütze.



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