top of page

Familie

Autorenbild: Alex Liesen
Alex Liesen
16. Aug.
5 Min. Lesezeit

Ein heikles und auch schmerzhaftes Thema für mich. Aber gut:

Ich habe nicht nur gute Erinnerungen an meine Kindheit. Ich kenne Gewalt schon seit dem Kindergarten und das nicht nur von meinem Vater. Ich heule hier ganz sicher nicht rum aber es macht was mit einem. So viel ist sicher.

Als dann 97 meine Mutter starb zerbrach das Ganze langsam. Die Details erspare ich euch und mir. Ich hatte damals eine Freundin dessen Eltern mich quasi aufgenommen haben nachdem sie gehört haben was bei mir zuhause so geboten war. Aber ich hab es verkackt. Ich kam überhaupt nicht klar mit einem richtigen Familienleben. Ich hatte mich bei der Polizei beworben, wurde aber vor Beginn der Ausbildung eingezogen. Dort hab ich mich gegen die Polizei und für das Militär entschieden. Mit der Zeit wurde das Militär meine Familie. Das angeschrien werden kannte ich ja gut und ich wurde nicht geschlagen. Es hat mir gefallen Gas geben zu können dort. Klare, harte Worte, auch Tadel und Anschiss vor der Front. Aber dann war es eben auch gut. Ich habe es geliebt. Ich wurde Ausbilder am ZEUS und wurde am Ende Zugführer. Es war mir wichtig die Dinge, die mir geholfen haben weiterzugeben. Ich kann wirklich sagen dass ein gesunder Geist einen gesunden fitten Körper braucht. Jedes Mal HiBa, jede Serie zeigte mir, dass ich es wert bin. Anerkennung, dieses earned - Not given, das hat mich angespornt. Nach der Schulterverletzung war es aus mit dem Traum vom KSK. Ich fiel in ein tiefes Loch. Das war der Zeitpunkt als ich den Delta Zug übernommen habe. Mein Chef gab mir eine Aufgabe und einen Sinn. Meine schönste Zeit. Dann kam der BFD. Eine ganz andere Welt. Man geht. Man verlässt das Ganze und denkt es wird schon. Ich habe weitergesucht nach der Wahrheit in meinem Leben. Im Zen Kloster. Im Shaolin Kloster. Das Leben begann normal zu werden. Dann traf ich meine Frau. Boom! Ich sah sie und wusste, dass sie das ist. Ja ich weiß… sehr schmalzig.

Aber es war so. Liebe auf den wirklich ersten Blick. Ich dachte jetzt wird alles gut. Ich machte ihr in der Wing Chun Schule einen Antrag und wir heirateten. Meine Frau wurde schwanger und wir bekamen unser Wunschkind. Es konnte nicht schöner sein! Im Hintergrund gab es ein paar Probleme aber ich hatte ja jetzt eine Familie. Wir zogen nach Rostock und die Familie wuchs. Es sah alles gut aus. Doch meine Arbeit fraß mich auf. Ich war sehr unzufrieden und ich wurde dort nicht gut behandelt. Ich habe meine Ehe als selbstverständlich empfunden und habe meinen Frust mit nach Hause genommen. Das ging nicht lange gut. Ich habe die Ehe auf dem Gewissen. Als dann auch die Schwiegereltern mein Vertrauen missbraucht haben stand ich wieder alleine da.

Ich hatte alles verloren und ich hatte mich aufgegeben. Meine Wohnung war ein Käfig und ich zerfraß mich langsam. Alkohol, Selbstmitleid, lange Nächte, viele Tränen und dann der Abgrund.

Eines Abends schlug ich hart auf dem Boden auf. Ich hatte keine Kraft mehr und zum Glück keine Waffe.

Am nächsten Tag war ich erschrocken darüber was geschehen war. Etwas in mir ist wach geworden und hat mich erinnert wer ich einmal war. Vor dem ganzen Chaos. Ich begann wieder zu trainieren. Der Schmerz wurde schnell wieder zu einem Freund und die Runen sowie der nordische Schamanismus gaben mir Richtung und Halt. Ich wollte wenigstens ein guter Vater sein wenn ich schon kein Ehemann mehr sein konnte. Ich baute mich auf. Hatte wieder Ziele. Dann rief mich ein Bruder an und änderte alles. Er meinte er hätte da etwas für mich in Pfullendorf. Es gäbe da eine Aufgabe, die mir gut tun würde. Pfullendorf war sowas wie der heilige Gral für mich damals. Die Fernspäher, die Kommandoanwärter… wow.

Ich rief noch am selben Tag dort an und fuhr eine Woche später zu einem Gespräch dorthin. Ich hatte die Hosen zwar voll aber die Angst so zu bleiben wie ich war war einfach größer. Ich war bereits ein anderer Mensch aber ich war trotzdem noch voller Zweifel ob ich genügen würde.

Nach dem Gespräch nahm mein Leben Fahrt auf. Anderes Training, Halbmarathon, die Task Force wurde lebendig und ich wusste wer ich sein konnte. In dieser Zeit habe ich ausgemistet. Freunde, Bekannte, Familie.

Meine heutige Familie besteht nicht mehr nur aus Verwandtschaft. Mein Bruder, meine Frau und meine Tochter und Menschen, auf die ich mich verlassen kann. Ich war sehr gut drauf weil ich wusste. dass ich bald auf den Instructor Lehrgang gehen werde. Doch es dauerte dank der Bürokratie und einigen Schwierigkeiten doch ein ganzes Jahr bis zum Lehrgang. Ich kann gar nicht beschreiben wie Zuhause ich mich dort fühle. Ich habe dort wieder angefangen zu leben.


Was ich damit sagen will:

Das Leben ist nicht böse. Es lässt dich fallen um zu sehen was du tust. Stehst du auf ?

Familie beginnt bei dir.

Du willst eine gute und sichere Familie? Dann bau sie auf. Beginne bei dir. Mit dir steht und fällt alles. Du willst eine Beziehung? Dann sei jemand mit dem du zusammen sein wollen würdest. Rede nicht, mache. Warte nicht auf jemanden. Setze Standards für dich. Zieh durch. Leide. Denn das Leben, das du willst ist in der Arbeit, die du nicht machen willst und hinter der Angst, der du dich nicht stellst. Deine Ahnen blicken auf dich. Gib ihnen eine gute Show. Wenn du gehst soll es gute Geschichten von dir zu erzählen geben. Erzeuge Erinnerungen statt nur Dinge anzuhäufen. Schenke Zeit und Erlebnisse statt teure Sachen. Gib dein Wissen weiter und bleib nicht stehen. Glaub an dich. Das ist das Wichtigste.

Familie ist, was du daraus machst. Wenn du aufgibst, ist alles vorbei. Aber wenn du weitermachst ist das Ergebnis offen.


Es ist nicht wichtig, dass alles perfekt ist. Du weißt nicht was hinter der Fassade mancher perfekten Ehen so steckt. Stelle sicher, dass du den Typen magst, den du im Spiegel siehst und arbeite an dir. Sei hart aber auch leicht zu lieben. Sei der Vater oder die Mutter, die du nicht hattest. Breche alte Muster. Sei du selbst und scheiß auf die Meinung anderer. Sitze mit Kriegern und tausche dich aus. Erkenne Magie wenn sie dir begegnet. Sei ein Monster und besiege es. Erkenne was in dir steckt. Sei stolz auf deinen Weg und rede dich nicht klein. Beherrsche deine Gedanken oder du bist gefickt. Halte deinen Kreis klein und sauber. Ehre die Geister, Götter und Ahnen.

Manchmal denkt man, man sei zu kaputt um eine gute Familie zu haben. Ich denke gerade die Kaputten wissen sehr genau was sie nicht mehr haben und erleben wollen. Sie kämpfen ihre Kämpfe damit sie nicht an die Kinder weitergehen und stellen sich schützend vor sie. No matter what.








 
 
 

Kommentare


bottom of page