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Special Blend

Autorenbild: Alex Liesen
Alex Liesen
16. Aug.
3 Min. Lesezeit

Ich möchte heute ein wenig über Soldaten sprechen. Darüber welche Menschen ich hinter den Uniformen und stereotypischen Verhaltensweisen habe kennenlernen dürfen und auch ein wenig darüber was ich so für einer bin aus meiner Sicht.

Um ehrlich zu sein bin ich damals aus Trotz zur Bundeswehr gegangen. Ich war ein durchschnittlich sportlicher Junge, der teils hüftlange Haare getragen hat und härter getan hat als er war. Naja. 🫤 Als ich dann mit 21 eingerückt bin sagten alle dass ich das eh nicht schaffen würde. Genau deshalb bin ich hin. Ich war und bin Sani. Also bitte jetzt keine Diskussion darüber wo welche AGA härter war. Ich habe viel gelernt damals über mich und auch über andere. Viele wollten zum Mann werden und sich beweisen. So auch ich. Dabei möchte ich auf die besondere Verantwortung der Ausbilder hinweisen. Es werden Werte vermittelt und auch gelebt. Man erfährt was Kameradschaft bedeutet und Vertrauen in die Führung und in den Kameraden rechts und links von einem. Man lernt zu gehorchen und zu folgen bevor man selbst führt. Ja es ist teils hart und man kommt auch in die Nähe einer Grenze doch wenn es nötig ist und man am Boden ist, wird einem geholfen. Oft von denjenigen, von denen man es am wenigsten erwartet.

Viele tun sehr hart. Manche sind es auch. Aber ALLE haben eine Geschichte. Es ist spannend das WARUM des einzelnen zu erfahren. Das dauert oft lange bis sich jemand dort öffnet aber was man dann sieht ist oft sehr verwandt mit dem eigenen Innenleben.

Ich habe Soldaten aller Teilstreitkräfte, Dienstgradgruppen und Einstellungen kennengelernt. Viele machen Witze übereinander und man sollte schon ein wenig einstecken können aber ich kenne kaum andere Bereiche, in denen man so für einender einsteht wie dort.

Es sind schon besondere Menschen dort. Jeder mit einem Kampf in sich von dem keiner etwas weiß aber den alle dort sofort verstehen. Sie verteidigen die FDG und werden dafür auch noch belächelt.

Ganz sicher sind dort nicht alle toll und nicht jeder ist richtig eingestellt aber es sind im Gro echte Männer und Frauen dort.

Eine Waffe macht dich nicht zum Mann. Lautstärke ist nicht gleich Kompetenz aber wenn du abends über die HiBa gehst und einen Rekruten alleine sitzen und weinen siehst dann hast du eine Ahnung was los sein könnte. Dann ist es egal welchen Dienstgrad du hast und wie cool du bist. Du setzt dich dazu und hörst zu. Du erzählst von deiner Geschichte und gibst Halt und Respekt. Sich selbst immer hinten anzustellen, über seine Grenzen gehen und weg von zuhause zu sein ohne bereits dort ein Zuhause gefunden zu haben ist nicht einfach. Und manche Einstellungen sind auch nicht gesund. Es gibt viele Menschen dort die leiden. Trennungen, Eheprobleme, Sorgen, Ängste, ja auch PTBS. Trotzdem kämpfen sie weiter. Meist still. Zu Glück mittlerweile auch auf Social Media und in Vereinen. Sie vernetzen sich und helfen sich gegenseitig.

Es gehört schon was dazu in diesem Beruf zu dienen. Und es gehört noch mehr dazu es zu leben. Ich habe solche Menschen kennengelernt und ich engagiere mich genau deshalb weiterhin für die Truppe. Im Verein, als Reservist und als Therapeut.

Es ist oft schwer für Zivilisten Menschen in Uniform zu verstehen. Doch mit Respekt, Anerkennung und Kommunikation auf Augenhöhe entsteht oft ein tiefer Austausch.


Geradeaus, stur und anders. So waren sie alle. Ich habe Freunde gefunden und Familie. Ich habe echte Vorbilder gesehen und echte Männer und Frauen. Ich habe Menschen fallen sehen und noch mehr wieder aufstehen. Ich habe Menschen leiden sehen und viele heilen sehen. Ich habe Härte gesehen und Safe Spaces. Ich habe Scheitern gesehen und Wachstum. Ich habe Blender gesehen und Stille Profis. Ich habe Menschen über sich hinauswachsen sehen und unglaubliche Transformationen erleben dürfen.

Ich sehe Menschen heute anders. Die Uniform und das Patch ist nicht das, was ich bewundere. Es ist der Mensch, der er oder sie auf dem Weg dorthin geworden ist und was er heute weiterzugeben vermag.



An den Leser:

Wenn du Uniform trägst oder Angehöriger eines solchen bist. Danke von Herzen.

Wenn du Zivilist bist hoffe ich dein Bild des Staatsbürgers in Uniform etwas verändert zu haben.


 
 
 

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