Eigene Verletzlichkeit eingestehen
- Alex Liesen
- 2. Jan.
- 2 Min. Lesezeit
Aus aktuellem Anlass möchte ich ein paar Worte sagen:
Wir versuchen immer stark zu sein, immer durchzuhalten. Wir ermutigen uns und ziehen durch. Pausen werden zu selten und nicht ausreichend lange gehalten und dann oft auch nur zum Ausruhen genutzt.
Zumindest geht es mir so. Und dazu kommt noch:
Es fällt mir nicht leicht mir meine Verletzlichkeit einzugestehen. Klingt doof denn ich bin ja auch nur ein Mensch aber wer meine Geschichte kennt, der weiß, dass es notwendig war so zu sein. Das Leben hinterlässt manchmal Verletzungen, die dann irgendwann zu den berühmten Narben werden. Aber was, wenn man zu früh weitergemacht hat? Wenn die Wunde noch nicht zu war? Wenn die meist emotionalen Wunden nur vom Kopf her „überwunden“ und „verarbeitet „ sind? Nur darüber hinweg zu sein bedeutet nicht, dass es nicht noch nachblutet… leise und dann wenn es still ist. Wenn du zb über Weihnachten und Silvester alleine bist mit deinen Gedanken. Was, wenn du dann nich hinsiehst und handelst? Klar, „geht schon“ und „muss man halt mal beißen“ …aber über die Jahre scheint es doch mehr mit mir gemacht zu haben als erwartet.
Jetzt sitz ich da und frage mich: wo hab ich nicht genug hingeschaut und was kann ich jetzt tun damit ich wirklich heilen kann? Ich war wohl zu lange damit beschäftigt das Schild hochzuhalten um zu merken, dass ich dringend die Ruhe am Feuer brauche. Den tiefen Austausch, Rituale für mich, Energiearbeit für mich und der hässlichen Wahrheit ins Gesicht zu schauen: Allein zu sein hat seinen Preis. Da ich es ja nie durch sanfte Zeichen verstehe, hab ich mal wieder gewartet bis die gusseiserne Bratpfanne kam.
Nunja. Es ist nie ratsam starke Gefühle zu verdrängen und man darf sich dann auch nicht wundern, wenn die dann eben geballt und auf einmal rauskommen und einen wirklich überfahren. Trauer, Schwäche, Schmerz, Angst vor Verlust und Versagen, Scham und Einsamkeit.
Tja. Nun muss ich mich wohl eben jetzt mit den gerade genannten Geistern ans Feuer setzen und reden. Wird keine angenehme Sache aber ich bin bereit. Die Art von Krieger, die ich bin, ist nicht immer stark. Meine Art macht Fehler, stolpert und fällt auch hin. Aber man erkennt meine Art immer daran, was sie tut und zu was sie im Stande ist, wenn sie am Boden liegt.
Ich mache einen Kreis während Fylgja das Feuer entfacht und die Gäste begrüßt. Es ist Zeit.
Komm mit ans Feuer, wenn du das kennst und dich angesprochen fühlst. Jetzt übernimmt der Schamane in mir und führt den Krieger. Eine heilsame Symbiose. Ich höre die Trommeln….




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